Menschen, die zu uns in Beratung kommen, haben häufig einen Veränderungswunsch. Wie genau dieser aussieht, ist anfangs oft noch unklar. Eine unserer Kernaufgaben in der Beratung ist daher, unsere Klient*innen darin zu unterstützen, ihr persönliches Ziel zu finden, auf das sie im Zusammenhang mit ihrem Konsum hinarbeiten möchten. Das kann die Abstinenz sein, eine Konsumreduktion oder auch das Ziel, weniger schädlich zu konsumieren. Wenn ein Veränderungsziel feststeht, entwickeln wir gemeinsam Wege, wie der*die Klient*in dorthin kommen kann. Diese zieloffene Haltung bestimmt unsere alltägliche Arbeit.
Der Begriff der Zieloffenen bzw. Zielorientierten Arbeit wurde u.a. von Prof. Dr. Joachim Körkel geprägt. Die Sichtweise, dass es neben der Abstinenz weitere sinnvolle und hilfreiche Ziele geben kann, trug dazu bei, den Blick auf alternative Hilfsmöglichkeiten zu weiten. So entwickelte Körkel 1999 beispielsweise die Konsumkontrollprogramme Kontrolliertes Trinken (KT) bzw. Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum (KISS) als eine Möglichkeit der Konsumreduktion. Laut Körkel werden durch die traditionelle Suchthilfe weniger als acht Prozent der suchtbelasteten Menschen erreicht. Die Unattraktivität vorhandener Angebote hängt u. a. nach Meinung Körkels mit der Forderung nach lebenslanger Abstinenz, befürchteten Etikettierungen und dem Fehlen zeitlich überschaubarer, „unauffälliger“ Programme zur Reduktion zusammen. Konsumkontrollprogramme wie KT/KISS senken die Schwelle zur Inanspruchnahme von Hilfe und berücksichtigen gleichzeitig die Autonomie des Menschen. Die Programme entstanden vor diesem Hintergrund und sind den „Behavioral Self Control“-Trainings (BSCT) zuzuordnen. Vorreiter und Anbieter für Forschung und Weiterbildungen sind hier v.a. das ISS Nürnberg sowie die GK Quest Akademie, die gemeinsam mit Prof. Dr. Körkel viel zu diesem Thema veröffentlicht haben.
Inzwischen gibt es viele Standorte in ganz Deutschland, die regelmäßig KT/KISS Programme anbieten. Im Einzel ist dies auch in unseren Beratungsstellen schon viele Jahre möglich. Nach einigen Jahren Pause bieten wir nun auch wieder einen KT/KISS-Gruppenkurs in der PSB Waiblingen an. Mit dem Kurs wollen wir Menschen ansprechen, die den Eindruck haben, dass ihr eigener Konsum riskant ist, die eine Abstinenz schon mehrmals probiert und festgestellt haben, dass es „einfach so“ nicht funktioniert. Menschen, die den Wunsch einer Konsumreduktion haben oder für die der völlige Verzicht nicht erreichbar oder kein Ziel ist.
Das Vorgehen im Kurs erfolgt vor dem Hintergrund der Forschungsbefunde zum Kontrollierten Trinken /KISS, dem Menschenbild der Humanistischen Psychologie, den Ansätzen der Verhaltenstherapie, des „Motivational Interviewing“ sowie lösungsorientierter Ansätze. Die Fortschritte in der Gruppe stehen im Kurs im Fokus, eine Gemeinsamkeit aller Teilnehmenden ist das Streben nach einer Veränderung.
Das Programm ist strukturiert und findet im Rahmen von 10 Gruppensitzungen plus Vorgespräch statt. An den Abenden geht es darum, sich Grundwissen über die Substanzen anzueignen, die eigene Veränderungsmotivation anzuschauen, sich mit der Zielsetzung und Strategien zur Zielerreichung auseinanderzusetzen, Risikosituationen zu erkennen und zu meistern sowie sich im neuen Konsumverhalten zu stabilisieren. Kernelement des Kontrollierten Konsums ist es, anhand vorab festgelegter Kriterien (maximale Konsummenge pro Tag/ pro Woche/ Anzahl konsumfreier Tage) wöchentlich das Konsumverhalten zu planen. Das entsprechende Material, z.B. ein Konsumtagebuch und Arbeitsmanual, wird von uns zur Verfügung gestellt.
Am 04.03.2026 findet um 18 Uhr ein erster unverbindlicher Infoabend in der Suchtberatungsstelle in Waiblingen statt. Hier stellen wir die Inhalte und Rahmenbedingungen des Kurses vor und stehen für Fragen bereit.
Literatur- und Quellenverzeichnis:
Literatur zum Weiterlesen: AUDIT Selbsttest: https://www.iss-nuernberg.de/audit/, Studie zu KISS https://www.idh-frankfurt.de/images/Kiss_Abschlussbericht.pdf
- Alkohol als Suchtmittel – Trinken ab 14?
- FASD
- Konsumreduktionsprogramme in der Suchtberatung
- Die vergessenen Kinder – darüber redet man, oder?
- Kreisdiakonieverband Rems-Murr-Kreis
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