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Suchtprävention im Wandel der Zeit

Potenziell abhängig machende Mittel begleiten die Menschheit schon seit Anbeginn der Zeit. So war bereits um 8000 v.Chr. das aus Honig fermentierte alkoholische Getränk „Met“ sehr beliebt und auch Halluzinogene wurden bereits 300 v. Chr. von indigenen Völkern in Südamerika verwendet.  Auch wenn bereits früh erkannt wurde, dass diese Substanzen auch negative und schädliche Folgen mit sich bringen, entwickelten sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts Bemühungen, dem entgegenzuwirken. Damals wurden erste Schritte in die Wege geleitet, die langfristig zu unserem heutigen Verständnis von Suchtprävention führten.

Suchtprävention im weiteren Sinne lässt sich zur damaligen Zeit vor allem in den Gesetzbüchern wiederfinden. In der Schweiz wurde 1884/85 ein Alkoholartikel in der Verfassung verabschiedet, der den Kartoffelschnaps der Armen hoch versteuerte, um das Trinken in unteren sozialen Schichten zu unterbinden. Später, Ende der 1920er Jahren, trat mit der Alkoholprohibition in Amerika das wohl prominenteste Verbot von Suchtmitteln in Kraft. Dieses resultierte aus dem Wunsch heraus, die Gesellschaft zu „heilen“ und war neben wirtschaftlichen auch stark durch religiöse Motive geprägt.
Der Umschwung von Alkohol auf andere Drogen entwickelte sich vor allem in den 1960er und 70er Jahren. Hier entstand auch erstmals klassische Suchtprävention, so wie wir sie bis heute noch teilweise kennen. Damals gab es die sogenannte Hippie-Bewegung, die sich ursprünglich in Amerika entwickelte, um friedlich gegen den Vietnamkrieg zu protestieren. Der Konsum von illegalen Drogen (besonders Cannabis, Kokain, Heroin und LSD) war allgegenwärtig, sodass der gesellschaftliche Druck auf die Politik immens anstieg. Es wurden Konzepte entwickelt, um präventiv gegen den Konsum dieser illegalen Drogen vorzugehen, sodass in den Anfangsjahren legalen Drogen wie Alkohol, Nikotin und Medikamenten kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Primäres Ziel war damals ganz klar Abschreckung und es wurde viel mit der Angst von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gearbeitet. Ausdrucksstarke Fallbeispiele, Bilder und dramatische Lebensgeschichten wurden vor allem in Schulen von Expert*innen der Sozialarbeit oder Polizei vorgestellt und die vollkommene Abstinenz war das primäre Ziel.
Ziemlich schnell wurde allerdings klar, dass diese Strategie nicht besonders zielführend war. Statt die Jugendlichen abzuschrecken, beflügelte die Emotionalität der Informationsvermittlung eher das Interesse an den Substanzen. Die Einbettung dieser Erkenntnisse in die Entwicklung der Suchtprävention erfolgte allerdings erst einige Jahre später, in den 1990er Jahren. Ende 1995 wurde die Europäische Charta Alkohol von der WHO in Paris verabschiedet, die den Fokus auf einen Lebenskompetenzansatz legte und bis heute Einfluss auf Strategien der Suchtprävention hat. Das Ziel war eine am Menschen orientierte und fachlich begründete Suchtprävention, die einen integrierten Ansatz aus Verhaltens- und Verhältnisprävention darstellen sollte.

Bis heute baut die Suchtprävention auf diesen Standards auf: laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) sind die Vermeidung und/oder Hinauszögerung des Einstiegs in den Konsum legaler und illegaler Drogen, die Früherkennung und Frühintervention bei riskantem Konsumverhalten und allgemein die Verringerung von Missbrauch und Sucht das Ziel. Suchtprävention bezieht sich somit auf alle Arten von Substanzen und gilt für alle Altersgruppen. Kinder und Jugendliche sollen vor allem in der Familie, Schule und Freizeit erreicht werden, während man probiert an Erwachsene im häuslichen Umfeld, über den Arbeitsplatz und im Freizeitbereich heranzukommen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Substanzen/süchtig machendes Verhalten und die daraus resultierende Sucht schon immer ein Thema war, das Menschen beschäftigt und im Laufe der Zeit mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Aus anfänglichen Verboten und Abschreckungsstrategien entwickelte sich im Lauf der Zeit eine progressivere Prävention, die vor allem Selbstreflektion, Aufklärung und verantwortungsvollen Konsum in den Vordergrund rückt.
Daraus resultiert auch die Leitlinie der PSB: Unser Ziel ist es, der Sucht bereits entgegenzuwirken, bevor sie entsteht. Um dies zu erreichen, arbeiten wir mit vielen Schulen und Betrieben im Rems-Murr-Kreis zusammen, um vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen verantwortungsbewussten Umgang mit Substanzen, Glücksspiel und Medien nahezulegen. Gemeinsam erarbeiten wir mit ihnen gesundheitsfördernde Alternativen und probieren somit auch den Weg ins Hilfesystem zu erleichtern und Präsenz zu zeigen.

Literatur- und Quellenverzeichnis:

Suchtprävention heute: https://www.bioeg.de/was-wir-tun/suchtpraevention/

Link Übersicht mit Originalquellen für Suchthilfe:

https://socialsci.libretexts.org/Bookshelves/Social_Work_and_Human_Services/Social_Problems_-_Continuity_and_Change/07%3A_Alcohol_and_Other_Drugs/7.01%3A_Drug_Use_in_History

https://de.wikipedia.org/wiki/Prohibition_in_den_Vereinigten_Staaten

https://www.fen.ch/texte/mh_geschichte.htm

https://www.addiction.de/wp-content/uploads/Geschichte_Suchthilfe_lang_160720.docx.pdf

https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs-stellungnahmen/Suchtpraevention_in_Deutschland.pdf


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