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Naloxon

Naloxon ist ein Wirkstoff, der die Wirkung von Opioiden (z.B. Heroin, Oxycodon oder Tilidin) aufhebt und im Rahmen der Opioidabhängigkeit eine vielfältige Rolle spielt. Als Bestandteil von Tilidin-Retardtabletten soll er einen missbräuchlichen Konsum verhindern, findet in Kombination mit dem Wirkstoff Buprenorphin in der Substitutionsbehandlung Anwendung und kann als Notfallmedikation bei einer Opioid-Überdosis Leben retten. Gerade durch letzteres kommt ihm eine besondere Bedeutung innerhalb der (niederschwelligen) Drogenhilfe zu.
Naloxon blockiert bei der Verwendung die jeweiligen Rezeptoren, so dass die Opioide dort nicht weiter andocken können, hat selbst aber keine Rauschwirkung. Dadurch lassen die Wirkung, lebensbedrohliche Symptome wie z.B. Atemdepression, und Vergiftungserscheinungen bei der konsumierenden Person nach. Da Naloxon schneller als die Opioide abgebaut wird, ist ein Wiederauftreten einer Atemdepression möglich. Aufgrund dessen empfiehlt es sich in jedem Fall auf Nummer sicher zu gehen und einen Notruf abzusetzen, um weiteren Komplikationen und etwaigen lebensbedrohlichen Situationen entgegenzuwirken.

Naloxon wurde das erste Mal 1960 hergestellt und zunächst im medizinischen Kontext als verschreibungspflichtiges Medikament eingesetzt. Die Anwendung erfolgte dabei zunächst durch Injektion in die Blutbahn (intravenös), in den Muskel (intramuskulär) oder unter das Unterhautfettgewebe (subkutan). Seit 1982 zählt es zu den unverzichtbaren Medikamenten der World Health Organisation (WHO) und wurde im weiteren Verlauf aufgrund der Opioidkrise in Nordamerika als Nasenspray weiterentwickelt und zugelassen. Dieses ist auch die heutige Take-Home-Variante des Medikaments. Im Gegensatz zur intravenösen Vergabe von Naloxon, die je nach Dosierung bei abhängigen Personen zu einem akuten Entzugssyndrom führen kann, fallen die Entzugssymptome beim Nasenspray viel geringer aus. In Deutschland steht Naloxon in Form von Nasenspray seit 2018 zur Verfügung.

Die Vergabe von Take-Home-Naloxon als Nasenspray ist in Deutschland im Rahmen von Projekten möglich. In diesen Projekten werden Laien, z.B. selbst Konsumierende und/oder deren Angehörige zunächst hinsichtlich des korrekten Handelns im Drogennotfall sowie der richtigen Verabreichung von Naloxon- Nasensprays geschult und ggf. anschließend mit Naloxon-Nasensprays versorgt. Der bekannteste deutsche Vertreter des Take-Home-Naloxons ist das bundesweite Projekt NALtrain vom Institut Suchtforschung Frankfurt, Akzept e.V. und der Deutschen Aidshilfe. Das Projekt fand von 2021 bis 2024 statt und hatte die Verbreitung des Take-Home-Naloxons im Aids- und Suchthilfesystem in Deutschland zum Ziel, da zuvor die Zahl der Drogentoten durch Opioidüberdosen gestiegen war.
Eine der Herausforderungen des Projekts war die Verschreibungspflicht, die zu einem erhöhten organisatorischen Aufwand führt. Im Oktober 2025 hat der Bundesrat zugestimmt, dass Naloxon-Nasensprays nicht weiter verschreibungspflichtig sind. Als Ausnahme gelten jedoch Medikamente, die von der Europäischen Kommission verschreibungspflichtig zugelassen sind. Da das einzige in Deutschland zugelassene Naloxon-Nasenspray unter diese Gruppe von Medikamenten fällt, hat der Beschluss des Bundesrats aktuell noch keine spürbaren praktischen Auswirkungen, kann aber zukunftsweisend hinsichtlich einer niederschwelligen Vergabe von Naloxon sein, wenn es „[…] weiterhin zusätzlich zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verschrieben werden kann“ (Fleißner et al. 2025: 107).

Literatur- und Quellenverzeichnis:

Horsthemke, S. (2019): Naloxon. Zugriff am 30.04.2026 unter: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Naloxon_2199

Fleißner, S., Schäffer, D. & Stöver, H. (2022): Naloxon rettet Leben! Bundemodellprojekt NALtrain. Westfälisches Ärzteblatt, 12|22, 21-23. Zugriff am 30.04.2026 unter: https://www.aekwl.de/fileadmin/user_upload/aekwl/themen/Suchtmedizin/W%C3%84B_1222_NALtrain_m_Anm.pdf

Fleißner, S., Werse, B., Klaus, L., Schäffer, D., Kuban, M., Stöver, H. (2025). Take-Home-Naloxon in Deutschland (Drogenkonsum in Geschichte und Gesellschaft, Bd. 11). Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG.

Bergner, A. (2025). Opioid-Vergiftung: Naloxon-Nasenspray bald ohne Rezept erhältlich. Zugriff am 04.05.2026 unter: https://www.ptaheute.de/serien/notfallarzneimittel/naloxon-bei-vergiftung-mit-opioiden


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